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Deutschland. Der Abstieg eines Superstars

Deutschland. Der Abstieg eines Superstars

Quelle: Amazon

ISBN: 3492046150
EAN: 9783492046152
Herausgeber: Piper

3,45 EUR
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Features

Beschreibung

Das Urteil des Autors ist schonungslos: Die deutsche Erfolgsstory ist längst zu Ende. Einst als Musterschüler gepriesen, verabschiedet sich die Bundesrepublik zunehmend aus dem Kreis der führenden Volkswirtschaften. Das so oft bewunderte und in aller Welt kopierte "Modell Deutschland" mit seinen Exportschlagern (Föderalismus, Soziale Marktwirtschaft) verkommt immer mehr zur Chiffre für ökonomischen Stillstand, politische Reformunfähigkeit und mentale Trägheit.

Die Gründe für diese Entwicklung sieht der Leiter des Berliner Spiegel-Büros hausgemacht: 1) Die Überdehnung des Sozialstaats führt zum Ausbluten der ökonomischen Grundlagen, weil das Wachstum nicht mehr Schritt hält. 2) Die als Reflex auf den "Führerstaat" mit dem Grundgesetz etablierte Atomisierung der politischen Macht hat zur Folge, dass sich die Akteure gegenseitig blockieren. Reformer haben es schwer in diesem Umfeld aus Besitzstandswahrern und Blockademachtverwaltern. Steingart hält diesen "deutschen Defekt", wie er ihn nennt, zu Recht für ein lange unterschätztes Problem.

Ist der beschriebene Weg unumkehrbar? Gibt es Hoffnung? Steingart sagt Ja, Hoffnung gebe es, aber nur dann, wenn nicht nur kosmetische Korrekturen am Bestehenden durchgeführt werden. "Signifikant ist es", so Steingart, dass der Wechsel von Kohl zu Schröder "praktisch ohne Veränderung an der ökonomischen Basis bleibt". Die Machtlosigkeit des Kanzlers kann nur aufgebrochen werden, indem die Budgetmacht in der Volksvertretung konzentriert wird und nicht mehr "irgendwo zwischen Bundestag und Bundesrat liegt". Nur in einer funktionierenden Zentralgewalt, dem Ende von Mischeinnahmen und Mischfinanzierung zwischen Bund, Ländern und Kommunen sowie einem Bundesrat nach Senatsmodell sieht der Autor Wege aus dem Dilemma.

Steingart hat ein (inzwischen in fünfter Auflage erschienenes) Buch vorgelegt, in dem das deutsche Problem scharfsinnig analysiert und durchaus pointiert beschrieben wird. Bleibt zu hoffen, dass seine konkreten Lösungsvorschläge auch die verantwortlichen Eliten erreichen. Die angelaufene Diskussion lässt zumindest etwas Hoffnung aufkommen. Was noch fehlt, ist der große Wurf. --Dr. Manfred Schwarzmeier

 

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Deutschland. Der Abstieg eines Superstars
 

Kunden Meinungen

"Wenn man aus der Kirche herauskommt, ...

Datum:13.04.2009 - Rating: 3/5

... ist man immer klüger."
Das glaube ich zwar ganz und gar nicht.
Trotzdem ist klar, was der Volksmund damit meint. Im Fall einer Rezension, die Jahre nach dem Erscheinen des Buches geschrieben wird, besteht die Gefahr der Unfairness des Rezensenten gegenüber dem Autor.
Das gilt besonders dann, wenn das besprochene Buch sich nicht mit der Diagnose begnügt, sondern auch Prognosen wagt.
Unfair möchte ich aber nicht sein. Was wir heute wissen, wussten wir alle nicht, als Gabor Steingart sein verdienstvolles Buch schrieb. Er selbst natürlich auch nicht.
Inzwischen haben wir in Deutschland die Krise, vor der Steingart damals warnte. Allerdings hat sie andere Gründe als die, von denen Steingart ausgegangen war:
Auslöser der Krise waren ganz eindeutig nicht die Probleme in Deutschland, die Steingart beschreibt, sondern unglaubliche Machenschaften vor Allem in den USA.
Deutschland ist nicht wegen der von Steingart diagnostizierten Schwächen in diese Krise geraten, sondern trotz seiner in der Zwischenzeit deutlich verbesserten Wettbewerbsfähigkeit mit hineingezogen worden.
Gut möglich aber, dass Steingart durch seine harsche und weitgehend berechtigte Kritik an manchen Missständen in Deutschland mit dazu beigetragen hat, die Reformbereitschaft in Deutschland zu stärken.
Wenn ich auszublenden versuche, was wir nach dem Erscheinen des Buches erfahren haben, dann bleibt der Eindruck eines sehr gut geschriebenen, engagierten und verdienstvollen Buches.
Es handelt sich um ein journalistisch geschriebenes Buch. Das wäre in keiner Weise negativ, wenn nicht Steingart an zumindest einer Stelle auch einen wissenschaftlichen Anspruch erhoben hätte.
Das ist schade, denn den kann er nicht einlösen.
Seine legere Art, Statistiken zu interpretieren und internationale Vergleiche anzustellen, mag der Lesbarkeit und Anschaulichkeit dienen, vielleicht auch die Bereitschaft der Leser fördern, politische Reformen nicht nur zu ertragen, sondern auch aktiv zu stützen.
In einer Diplomarbeit oder gar Dissertation geriete Steingart damit aber an allzu vielen Stellen in ernste Schwierigkeiten.
Deshalb von mir nur 3 Sterne - mit der Tendenz 3,5.
Aber das geht ja hier nicht.

'gute nacht, deutschland' - und 'gut gemacht, gabor'

Datum:08.11.2007 - Rating: 5/5

lesebefehl! müßte man - in anlehnung an harald schmidt's 'kaufbefehl' - ausrufen, um dieses buch in jeden deutschen haushalt zu bringen.
selten wurde der deutsche abstieg so klar hergeleitet. nie war dieses buch aktueller als heute - denn der abstieg nimmt fahrt auf.

ich bin vor kurzem über dieses buch gestolpert. hatte von seiner ersten auflage nichts mitbekommen, bin nun erst, bei der vierten auflage, eingestiegen. aber umso heftiger.

hier steht alles drin, was man wissen muß, aber besser nicht wissen sollte: die konzentrierte auflistung der fakten sowie die herleitung der zusammenhänge seit ende des zweiten weltkrieges öffnen nochmal eine spur deutlicher die augen für die deutsche misere. vom niedergang der deutschen patentanmeldungen, nobelpreisträger und innovationstätigkeit, über die wahren kosten der einheit (und ihrer auswirkung), der rente, der arbeitslosigkeit, des sozialstaates, bis zu den ungemachen unseres föderalistischen staats(ver)wesens, der notwendigkeit des mehrheitswahlrechtes und der entflechtung von sozialstaat und arbeit.

hier wird nochmal eindrucksvoll hergeleitet, daß bildung und innovation im vordergrund der bemühungen des staates stehen müssen. was noch wichtig ist, sagt mein lieblingszitat aus dem kapitel die fabrik der arbeitslosen: "der unternehmer muß mehr gewinn als ärger haben und der arbeiter mehr in der lohntüte behalten, als er durch nichtstun bekommen kann."
und dann geht es schnell an's eingemachte.

hier werden unbequeme wahrheiten ausgesprochen, denen wir uns längst bewußt sind, die wir aber wohlweißlich tabuisiert haben, damit sie uns nicht aus dem schlafe reißen in unseren albträumen (wie sagte schon einer unserer großen: denk ich an deutschland in der nacht, ...).

wir schlafen also seelenruhig weiter, denken nach uns die sintflut und kurz davor die rente, in die ich übergangslos von der stütze oder dem bundestagsmandat hineingleite.

'gute nacht, deutschland', und 'gut gemacht, gabor'.

Steingart ist so schlecht, vermeiden Sie ihn zu lesen

Datum:06.05.2007 - Rating: 1/5

Gabor Steingart ist Spiegelredakteur. Das eroeffnet ihm Vermarktungschancen, und die nutzt er. Geschaeftssinn ist eine gute Sache. Noch besser waere es, wenn er irgendetwas Vernuenftiges zu sagen haette. Hat er aber nicht. Darueber kann auch sein Zahlenwahn nicht hinwegtaeuschen (Zahlen sind ja ein beliebter Trick, Ernsthaftigkeit zu suggerieren. Hat er wahrscheinlich von seinen Politiker-Gespraechspartnern gelernt). Es gibt wirklich ueberhaupt keinen Grund, seine Buecher zu kaufen. Die werden naemlich haeppchenweise beim Spiegel - auch online - dargelegt. Und vor allem sind sie inhaltlich irrelevant. Weder ist Deutschland ein Superstar, noch steigt es nennenswert ab. Ausser natuerlich, man hat was dagegen, dass bisher arme Laender ein bisschen zulegen. Dann ist D natuerlich relativ abgestiegen. Und nur um alle Leute gleich im Vorhinein zu beruhigen: Es gibt keinen Weltkrieg um Wohlstand. Weil der naemlich viel weniger neu verteilt wird, als Herr Steingart denkt oder hofft. Wenn man wie ich sich viel in Niedrig-Einkommenslaendern aufhaelt, sieht man das recht deutlich. Wohl gibt es eine zunehmende Einkommensungleichheit innerhalb der europaeischen Gesellschaften - und solche Verhaeltnisse bergen erhebliche Risiken fuer den sozialen Frieden, wie man in Afrika und Suedamerika in unterschiedlichen Auspraegungen begutachten kann. Aber dazu hat er Steingart sowenig zu sagen wie irgendjemand sonst... Es reicht voellig, sich solche Plattitueden des Neoliberalismus auf Spiegel Online durchzulesen. Oder man liesst seine sonstigen Erguesse, wie kuerzlich ueber Frau Merkels angeblich so tolle Aussenpolitik. Der Artikel hiess 3 mal staunen. Nicht erstaunlich, wenn demnaechst dazu ein Buch rauskaeme. Auch nicht erstaunlich, wenn es genauso schlecht wird, wie alles andere, was der so schreibt. Wenigstens wird mir davon nicht mehr schlecht. Weil ich es nicht kaufe. Sorry Gabor, aber von einem Spiegelredakteur erwarte ich einfach mehr. Nicht nur Geschaeftssinn.

im Gegensatz zu Polit-Talkshows keine Zeitverschwendung

Datum:19.04.2006 - Rating: 5/5

Nachdem ich mit dem Lesen begonnen hatte, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Der Autor stellt nicht einfach Behauptungen auf, sondern bezieht sich größtenteils auf Fakten (wachsende Staatsverschuldung, abnehmende Kinderquote, ...).
Die Highlights des Buches sind m.E. die gut verständliche Argumentationskette sowie "Aha-Informationen". Einige Beispiele zu letzteren:
- Welchen maßgeblichen Einfluss hat die Staatsverschuldung auf unser Bruttoinlandsprodukt?
- Wie kam unser Förderalismus zustande? Wer waren die geistigen Väter des Förderalismus? Was waren ihre Absichten?
- Welche Rolle spielte Adenauer - besonders im Vorfeld von Wahlen?
- Wie sah das Originalkonzept eines umlagenfinanzierten Rentensystems aus, bevor es von Adenauer und anderen Politikern kastriert wurde?
- Dienen Maßnahmen wie die Abschaffung der Vermögenssteuer oder die Senkung des Einkommens-Spitzensteuersatzes wirklich dem Erhalt normal bzw. niedrig bezahlter Arbeitsplätze?
- Wie halten es Länder, die eine hohe Beschäftigungsquote haben, mit der Erbschaftssteuer oder mit der Besteuerung von Gewinnen aus Börsenspekulationen?

Sechs von sieben Kapiteln widmen sich der Diagnose. Sie sind, wie ich finde, von höchstem Niveau.

Im Kapitel 7 mit dem Titel "Was tun?" wird für ein Lösungskonzept geworben. Es erscheint mir insgesamt gut durchdacht. Dass beim Lesen eines solchen Lösungsansatzes gehäuft Fragen aufkommen, halte ich angesichts der Thematik des Buches für normal. Sicherlich ist dieser letzte Abschnitt noch ausbaufähig, aber nicht grundsätzlich verkehrt. Man muss dem Schlusskapitel zugute halten, dass viele unserer professionellen Problemlöser (Politiker) bereits mit der Diagnose überfordert sind.

Letztendlich verstehe ich dieses Buch nicht als Werbung für die Ideen eines SPIEGEL-Meinungsmachers sondern als Anstoß, sich eine eigene Meinung zu bilden. Sehr empfehlenswert.

Kurze und prägnate Geschichtsstunde

Datum:12.12.2005 - Rating: 4/5

Intelligent, pointiert und prägnant analysiert Gabor Steingart den wirtschaftlichen Aufstieg und Absturz des Wohlfahrtsstaates Deutschland und orientiert sich dabei an den geschichtlichen Entwicklungen, beginnend beim Kriegsende über die Wiedervereinigung bis heute. Abschließend zeigt er noch Wege aus der Krise auf.

Fazit: stringent in der Argumentation. Kurz und präzise in der Analyse. Etwas zu allgemein gehalten bei den Verbesserungsvorschlägen. Empfehlenswert.

 

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